Umgeben von unzähligen Inseln, soweit das Auge reicht. Teils zivilisiert mit einigen kleinen, klassisch rot angemalten schwedischen Häusern, meistens jedoch unbewohnt. Eine dieser unbewohnten Inseln haben wir uns ausgesucht, als wir dort vorbei segelten.

Die Insel ist schätzungsweise so groß wie ein Basketball-Feld, und hat einen kleinen einsamen Strand, auf den wir unseren Katamaran ziehen. Wir betreten die Insel und können sofort die andere Seite sehen - in der Mitte stehen einige Fichten und, besonders auffällig, ein riesiger Thermitenhügel. Die Ameisenviecher werden uns abends noch ordentlich auf den Sack gehen, aber dazu eventuell später mehr.

Erstmal: Hellooo und schön dass du den Weg zu meinem nächsten Abenteuerbericht gefunden hast! Ich würd dir gern mal kurz pitchen, wie ich in den Schären, einem Gebiet östlich von Stockholm bestehendend aus knapp 30.000 Insel, auf einem Katamaran irgendwo im Nirgendwo auf einer einsamen Insel "gestrandet" bin.

Die Idee, mit einem Katamaran von Insel zu Insel zu schippern, war schon lange ein Funken in unserem abenteuerlichen Gehirn. Dass es endlich Realtität wurde, haben wir Williams Vater Thomas zu verdanken, der den Katamaran für uns und sein Sommerhaus in der Nähe von Stockholm gekauft hat. Dazu reichte tatsächlich nur ein wenig Überzeugungsarbeit, denn Thomas hattte eh schon länger von einem eigenen Segelboot geträumt. Dass Stockholm in den Schären liegt, ist natürlich ein glücklicher Zufall.

Den Kat haben wir von Thomas, dem Kat-Thomas, abgekauft und zum Sommerhaus überführt (Williams Thomas hat das Sommerhaus witzigerweise mit seinem Kumpel Thomas zusammengekauft, folglich haben wir es also mit Williams Vater Thomas, Haus-Thomas und Kat-Thomas zutun). Unsere Base war also immer wieder Anlaufpunkt zum Auffüllen der Vorräte (der Platz auf dem Kat war offensichtlich begrenzt), sodass wir immer wieder von dort aus in eine neue Richtung starten konnten.

Hier unser Startbild vor der allerersten Tour:

So landen wir auf der Insel an:

Oder so:

Das ist quasi die ganze Insel:

Und hier noch eine weitere, etwas größere, auf der wir ebenfalls ganz alleine waren

Und so machen wir abends Lagerfeuer und kochen unser Essen über diesem

Auf einigen Inseln finden wir Überreste von 3000 Jahre alten magischen Steinlabyrinthen von den Wikingern, die die Fischer damals durchqueren mussten, um einen guten fang zu garantieren. Heute also unbewohnt, früher jedoch ein tatsächlich bewohntes Wikingernest! Sehr spannende Erfahrung, in diese Spuren zu treten.

Und so schippern wir etwa 2 Wochen lang immer wieder in diverse Richtungen und erkunden so viele Inseln wie es nur geht. Die Schären sind ein echtes Paradies für ein Segelabenteuer. Über 30.000 Inseln, die man gar nicht alle erkunden kann.

Drehende Winde und nicht gut sichtbare Untiefen machen den Törn natürlich nicht ganz ungefährlich, mit dem Kat haben wir natürlich nur einen Tiefgang von ca. einem halben Meter, sodass wir gut zwischen den Felsen, die nur teilweise aus dem Wasser ragen, durchnavigieren können. Die ein oder andere "Sirene" lenkt uns jedoch auch mal ab und wir entkommen einmal nur knapp den fiesen Felsen, die uns in den Bann gezogen haben.

Mit dem Wetter hatten wir ebenfalls Glück: Fast jeden Tag strahlenden Sonnenschein, sodass wir uns tatsächlich die lustigen Hüte aus dem ersten Bild nicht aus Jux angezogen haben, sondern tatsächlich als Sonnenschutz. Jeden Morgen waren wir baden (Morgondopp, eine schwedische Tradition, man sieht tatsächlich jeden Morgen Locals mit Bademantel zum Wasser laufen und einmal reindippen) und abends am Lagerfeuer war es schön muckelig warm.

Und wenn der Wind dann doch mal nicht auf unserer Seite ist, dann wird eben gepaddelt...

Nach zwei erfolgreichen Touren haben wir uns entschieden, dem Kat mal eine Pause zu gönnen (er stand laut Kat-Thomas die letzten 10 Jahre nur rum und wurde nur ganz selten von den Enkeln gesegelt). Also fahren wir ca. 2 Stunden nordwestlich von Stockholm in ein Naturreservat, um dort ein paar Tage in der Natur zu verbringen. Dort sehen wir Elche und gehen an einem Spot klettern, von dem man in ca. 10 Minuten in einen wunderbaren See springen kann.

Auf einer Wanderung durch das Naturreservat landen wir wortwörtlich im "Himmel" - dem höchsten Berg der Umgebung, mit himmelweichen, moosbewachsenen Felsen. Zum richtigen Zeitpunkt kommen wir auf dem "Sonnenhügel" an und genießen den Sonnenuntergang. Abends springen wir noch vom Steg ins dunkle Wasser, und lassen den aufregenden Tag so gemütlich ausklingen.

Auf dem Heimweg machen wir einen touristischen Stop in Stockholm und schauen uns diese schöne Stadt an, kaufen einige Postkarten und Souvenirs und essen leckere Sommerbowl. Hier lässt es sich auch aushalten, wobei uns die Stadt nach 2 Wochen in der Natur zu laut und voll ist und wir uns wieder nach der Ruhe und Entspannung auf dem Wasser sehnen.

Zurück in Skärmarö, genauer Värmdö (Sommerhaus) bereiten wir den Kat (getauft haben wir sie übrigens "Horny Hilde", benannt nach dem aufblasbaren Schwimm-Einhorn, welches wir auf unserem Segeltörn in Südfrankreich dabei hatten) auf eine letzte Ausfahrt vor. Mit dem Packen werden wir immer besser und effizienter, sodass wir auch bei viel Wind ordentlich Gas geben können und nur einmal einen Beutel mit den Schuhen verlieren. Aber das ist halb so schlimm, denn William springt schnell hinterher, und durch unsere guten Packskills schwimmt der Sack natürlich oben und William kann sich wie an einer Boje daran festhalten. Gut, dass wir schneller wieder da sind als die Kegelrobben, die wir 10 Minuten vorher noch gesehen haben...Die sind nämlich hungrig - nicht dass sie noch anbeißen.

Und so geht langsam unsere Zeit in den Ostschären vorbei. Es hat viel Spaaß gemacht und Horny Hilde wird definitiv nicht für lange alleine bleiben. Wir werden wiederkommen, mit noch mehr Lust auf Abenteuer und, wer weiß, vielleicht treffen wir nächstes mal sogar echte Wikinger...

Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast, darüber zu lesen was ich so erlebe! Und bis zum nächsten mal, was auch immer es sein mag!